Kann Geocaching süchtig machen?

Mit dieser Fragestellung möchte ich mich heute auseinander setzen. Was ist eigentlich eine Sucht? Ob Alkoholabhängigkeit, Rauchen oder Kaufsucht – das körpereigene Belohnungssystem spielt bei der Entstehung von Süchten eine wichtige Rolle. Ursache dafür, süchtig zu werden, ist u.a. eine Fehlsteuerung des Belohnungssystems im Gehirn. Dinge, die uns gefallen, führen dazu, dass unser Gehirn vermehrt Dopamin ausschüttet, ein Glückshormon. Aber was ist, wenn dies zu oft geschieht? Der Körper gewöhnt sich langsam an dieses Hormon und man benötigt immer mehr, um wieder diese Glücksgefühle zu empfinden. Es kommt zur Abhängigkeit. Von dieser spricht man, wenn drei der folgenden Diagnose-Kriterien erfüllt sind (Quelle: Apotheken-Umschau)

1. Starker Drang, das Suchtmittel zu konsumieren

2. Verlust über die Kontrolle des Konsums

3. Entzugssymptome sowie Substanz-Konsum, um diese Symptome zu lindern oder zu vermeiden

4. Toleranzentwicklung, das heißt, dass eine zunehmend höhere Dosis für die gleiche Wirkung benötigt wird

5. Reduzierung anderer Interessen und ein eingeengtes Verhaltensmuster, um das Suchtmittel regelmäßig konsumieren zu können

6. Fortführung des Konsums trotz des Wissens um negative körperliche, psychische oder soziale Konsequenzen

So krass sieht es beim Geocaching natürlich nicht aus. Man hat keine spezielle Droge, die den Körper abhängig macht. Aber eine gewisse psychische Abhängigkeit ist zu erkennen. Das eine kleine Erfolgserlebnis, welches man beim ersten Fund erfahren hat, reicht längst nicht mehr aus. Man muss immer mehr Caches finden und hält es keinen Tag mehr ohne Geocaching aus. Ich kenne mehrere Beispiele für Cacher, die nicht mehr ohne die tägliche Dose leben können und dabei ein normales soziales Verhalten vernachlässigen.

Auch in den sozialen Netzwerken fällt mir auf, wie süchtig einige Cacher schon geworden sind. Anfangs war die Gruppe im Facebook „Du bist ein guter Geocacher, wenn…“ noch eine nette Idee und es ging wirklich um die eigentliche Frage. Mittlerweile schreiben immer mehr Geocacher davon, was sie alles geschafft haben. Wie viele Dosen sie am Tag schaffen, in welche Gefahren sie sich begeben, etc. Da geht es längst nicht mehr um „gute“ Geocacher, sondern um das Ausleben einer Sucht, bei der man immer höher, schneller, weiter kommen möchte. Ein weiteres Beispiel dafür sind auch die vielen Challenges. Die Cacher sind nicht mehr zufrieden damit, einfach nur eine Dose zu finden. Das wirkliche Erfolgserlebnis tritt erst dann ein, wenn man 24 Dosen in 24 Stunden gefunden hat. Man verliert den eigentlichen Spaß, das eigentliche Hobby Dosen zu suchen, aus dem Auge.

Ich möchte mit diesem Beitrag niemandem zu nahe treten. Er soll zum Nachdenken anregen. Auch ich war und bin teilweise noch dieser Sucht verfallen. (Ich habe immerhin einen Blog, in dem es mittlerweile NUR um das Geocaching geht.) Man sollte aber wie bei jedem anderen Hobby das eigentliche Leben nicht vernachlässigen und es bei einem Hobby belassen, welches nicht zum Lebensinhalt gemacht werden sollte.

0 thoughts on “Kann Geocaching süchtig machen?

  1. Der Ansatz gefällt mir, mir wird es wichtiger genau diesen Ansatz zu diskutieren. Leider geht der Beitrag nicht weit genug. Wo ist der persönliche Bezug?
    Eine Sucht wird ganz klar in diese Faktoren eingeteilt. Wenn ich diesen Text vor einem halben Jahr gelesen hätte, würde ich mich nicht als suchtgefährdet oder gar süchtig bezeichnen. Wichtig ist die Selbstreflektion, denn genau die funktioniert nicht mehr einwandfrei! Und dabei kann das Umfeld helfen! Mit einer einfühlsamen Ansprache, dem Aufzeigen von Baustellen und Problemfeldern und natürlich von Lösungswegen (nachdem es Klick gemacht hat).

    Passt auf euch auf!
    Suzidriver

    • Als wir damals angefangen hatten im Jahr 2002 gab es im Raum um München gerade einmal insgesamt VIER Caches. 2 davon haben wir gefunden und die anderen beiden nicht. Mittlerweile haben wir das zumindest nachgeholt 😉

      Danach gab es dann erst einmal immer wieder sehr lange Pausen, allerdings hauptsächlich wegen unserer Tochter, die damals einfach noch zu klein war.

      Ab 2007 haben wir dann allerdings durchgestartet und cachen seitdem ohne wirkliche Unterbrechung. Allerdings ist es in den letzten beiden Jahren eine Idee weniger geworden. Urlaube haben wir allerdings auch schon oft nicht zuletzt nach den zu besuchenden Caches geplant (z.B. große Schottland-Runde inkl. passendem FTF bei zwei dazugehörigen Challenges 😉 ), wobei wir uns besonders über die ganz alten Caches freuen, die einen doch recht häufig wirklich noch in interessante Gegenden führen. In Europa geht uns noch ein einziger „Zweistelliger“ ab und im Westen der USA sind wir in dem Bereich komplett durch. Mal schauen, ob wir die noch fehlenden auch noch besuchen können…

      Und dann bin ich auch noch ein bekennender Statistikcacher und freue mich sehr, wenn ich da so ziemlich alles Mögliche erreiche. Also sowas wie „Alle Tage im Jahr“ oder möglichst viele Tage am Stück.

      Bin ich deswegen süchtig? Gute Frage… Es ist halt ein für mich sehr interessantes Hobby und ich habe darüber viele Menschen kennengelernt und Freunde gewonnen. Allein deshalb werde ich wohl nicht so schnell damit aufhören 😉

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