Geocaching in Island im Winter

Mein Freund und ich wollten dieses Jahr im Februar Urlaub machen. Eigentlich hatten wir Madeira gebucht, allerdings wurden die Flüge dorthin knapp sechs Wochen vorher gestrichen, sodass wir uns eine Alternative einfallen lassen mussten. Die Entscheidung fiel relativ spontan auf Island. Dabei hat Island nicht viel mit Madeira gemeinsam. Es ist zwar auch eine Insel, aber die Wetterbedingungen können im Februar wohl kaum unterschiedlicher sein. Ich wollte schon lange einmal nach Island und hatte mich gefreut, dass der Vorschlag angenommen wurde und wir die Reise planen konnten.

Einige stellten uns die Frage: Island im Winter? Ich antwortete dann meist: Warum nicht? Ich habe mich vorher etwas erkundigt. Island im Winter ist etwas ganz Besonderes. Fans dieses Landes empfehlen, die Insel sogar min. zweimal zu besuchen: im Sommer und im Winter. Denn es erwarten einen völlig unterschiedliche Länder (Sommer-Island und Winter-Island). Im Sommer kann man in Island Wale und die bekannten Papageientaucher beobachten, im Winter hingegen kann man Nordlichter sehen. Auch haben heiße Quellen im Winter wohl ihren ganz besonderen Charme.

Island hat eine Straße, die einmal um die Insel herumführt, die Ringstraße, allerdings empfehle ich diese Rundreise mehr für den Sommer. Denn vor allem im Winter sind in Island schnell einmal Straßen gesperrt. Viel Bevölkerung gibt es auch nicht, sodass es schwierig sein kann, wenn man mitten auf der Insel mit seinem Auto im Schnee feststeckt. Wir entschieden uns für eine Airbnb-Wohnung im Zentrum von Reykjavík und für Ausflüge, die man von Reykjavik aus machen kann. Dazu mieteten wir uns einen Wagen mit Allradantrieb (unbedingt zu empfehlen!). Wir wurden darauf hingewiesen, dass wir jeden Tag nach den Straßenbedingungen (http://www.road.is) und nach dem Wetter (http://en.vedur.is) auf der Insel schauen soll, denn das Wetter kann sich von einem Tag auf den anderen schlagartig ändern, infolgedessen müssen häufig Straßen gesperrt werden. Auch sollen Gebiete mit viel Wind nicht befahren werde. Es gibt Sandstürme, die das Auto erheblich beschädigen können.

Wir hatten uns für die Reise Folgendes vorgenommen: eine Golden-Circle-Tour, eine Gletscherwanderung, eine Höhlenwanderung, eine Reykjavíkbesichtigung, Baden in heißen Quellen und die Beobachtung von Nordlichtern. Das Meiste davon haben wir geschafft und durch das Geocaching haben wir auch noch viel mehr gesehen. Darauf gehe ich jedoch später ein. Zunächst betrachten wir einmal die Cachekarte von Island.

Caches in Island

Der Urlaub wurde unabhängig von den Geocaches geplant. Als feststand, dass es nach Island geht, habe ich natürlich gleich eine Offlinekarte heruntergeladen und eine Pocket Query für Island erstellt. Dabei fällt schon auf: es reicht eine einzige Pocket Query (beschränkt auf 1000 Caches), um alle Caches in Island herunterzuladen. Island hat nicht einmal 700 Caches (Vergleich Deutschland: knapp 380 000). Dabei ist Deutschland nur dreimal so groß wie Island. Somit ergibt sich eine Cachedichte von 0.007 Caches pro Quadratkilometer (in Deutschland 1.07).

Geocaches in Island

Island hat nicht sehr viele Einwohner: nur knapp 350 000. Da kann es dann natürlich auch nicht so viele Caches geben. Und wenn man Caches pro Einwohner betrachtet, so ist diese Zahl (0.002) näher an der für Deutschland (0.005). Es gibt sehr wenige Mysterys und noch weniger Multicaches. Welche Caches aber besonders hervorstachen: Earthcaches. Überall, wo es etwas geologisch Besonderes zu entdecken gab (und da gibt es vieles in Island), gab es einen Earthcache. Ich habe das Gefühl, dass ich mehr Earthcaches als Traditional Caches gefunden habe. Das kommt einem natürlich nur so vor, da Earthcaches immer noch extra Hausaufgaben verlangen. Tatsächlich haben wir in den 7 Tagen, die wir auf Island waren, 21 Traditional Caches, 9 Earthcaches, einen Multicache und einen Virtual Cache gefunden.

An meinem ersten in Island gefundenen Cache. Die Tarnung ist aufgrund der Kälte leider zerbrochen.

Die geringe Cachedichte fällt auch unterwegs auf. Wenn man im Land unterwegs ist und schaut, wie weit es bis zum nächsten Cache ist, kommen schonmal 40 Kilometer dabei heraus. Da kann man sich in Ruhe auf die Autofahrt und die Straße konzentrieren, was häufig auch wirklich notwendig ist. Gleich am ersten Abend hatten wir mit starken Schneeverwehungen zu kämpfen und konnten die Straße nicht mehr erkennen. Da Island nicht sehr viele Einwohner hat, hat man dann auch selten ein Auto, welches vor einem fährt und den Weg weisen könnte.

Die Golden-Circle-Tour

Direkt am ersten vollen Tag in Island haben wir uns die Golden-Circle-Tour vorgenommen, das ist einfach DIE Touristenroute in Island. Vorteil im Winter: es gibt nicht so viele Touristen und so war es an den verschiedenen Stationen auch nicht überfüllt. Auf dieser Route kommt man u.a. an dem Krater Kerið, dem Gullfoss-Wasserfall und dem Geysir Strokkur vorbei. Ein Cache etwas abseits der Hauptroute zeigte uns eine Winterlandschaft, wie sie im Buche steht. Bei der Fahrt zu dem Cache waren wir sehr froh über den Allradantrieb des Autos.

Dort befindet sich normalerweise eine Straße. Es sei erwähnt, dass Offroad-Fahren in Island streng verboten ist.

In der Nähe des Kraters Kerið.

Bevor wir zu den Hauptattraktionen des Golden Circles gefahren sind, haben wir einen Zwischenstopp bei der Secret Lagoon gemacht, einer heißen Quelle, die etwas neben der Route des Golden Circles liegt und in der man auch baden kann (kostet allerdings ca. 25 Euro pro Person). Es ist so herrlich wie man es sich vorstellt. Wunderbar warmes Wasser, umringt von viel Schnee. Allerdings handelt es sich um eine natürliche Quelle und so kann die Temperatur nicht so wie in einem Schwimmbad reguliert werden. So kommt es vor, dass zwischendurch mal ein heißer Strom durch das Gewässer fließt und man denkt, man verbrennt gleich.

Am Gullfoss-Wasserfall gibt es neben einem Earthcache auch einen der wenigen Multicaches auf der Insel. Hier gab es die meisten Touristen, aber trotzdem ist genug Platz für jeden vorhanden.

Weiter ging es zum Geysir Strukkur, wo es natürlich wieder einen Earthcache zu finden gibt. Danach schlug das Wetter direkt um. Es wurde sehr stürmisch und wir entschieden uns dazu, beim letzten Stopp des Golden Circles, dem Þingvellir, nicht mehr anzuhalten und möglichst sicher in Reykjavik wieder anzukommen. Dabei hätte es dort sogar noch einen virtuellen Cache gegeben.

Gletscherwanderung

Am nächsten Tag haben wir eine geführte Gletscherwanderung unternommen. Diese fand auf dem Sólheimajökull statt und zog eine zweistündige Anreise von Reykjavík mit sich. Da wir in einer Gruppe unterwegs waren und ich mich auf das Laufen mit Steigeisen konzentrieren musste, habe ich den Traditional Cache, an dem wir DIREKT vorbeigelaufen sind, irgendwie verpasst. Aber auch hier gab es ja wieder einen Earthcache, mit dem ich durch einen Smiley auf der Karte meine Anwesenheit dokumentieren konnte.

Da wir außer dieser Wanderung an dem Tag nichts geplant haben, konnte Geocaching wieder einmal dazu verhelfen, tolle Orte zu entdecken. Natürlich ist der Wasserfall Skogafoss auch so etwas bekannter, ich hatte einen Besuch dahin jedoch nicht vorbereitet. Stattdessen schaute ich nur auf die Cachekarte und war erstaunt, als wir dann plötzlich an diesem Wasserfall waren. Ich habe auch hier wieder einen Earthcache gemacht, den Traditional Cache konnte ich leider nicht finden. Weiterhin führte uns ein Geocache zu einem interessanten historischen Ort, der auch schonmal als Kulisse für einen isländischen Wikingerfilm diente. Der Wasserfall Urriðafoss ist ebenfalls ein absoluter Geheimtipp, den wir nur durch einen Geocache entdeckt haben.

Reykjavík

Natürlich haben wir uns auch die Hauptstadt des Landes angeschaut. Immerhin hatten wir eine Wohnung direkt im Zentrum. Wir ließen das Auto stehen und haben einen langen Spaziergang von mehr als 12 Kilometern unternommen. Das klingt an sich erstmal nicht so viel, allerdings waren die Hälfte der Wege gefroren und wir hatten mit Glatteis zu kämpfen. Einige Wege in Reykjavík sind beheizt, aber eben nicht alle. Vor allem nicht die, wo man langgehen muss, um Geocaches zu finden. Die Cachedichte ist in Reykjavík etwas höher und so konnten wir an dem Tag insgesamt 10 Caches finden. Bei einem Cache hatte sich das Glatteis sogar in die Dose geschlichen und es gab keine Chance, an das Logbuch zu kommen.

Harpa – das Konzert- und Konferenzhaus in Reykjavík

Sólfar

Hallgrímskirkja

Perlan – die Perle

Weitere Ausflüge

An einem weiteren Tag haben wir einen Ausflug zu einer durch Lava geformten Höhle unternommen. Auch da benötigten wir von Reykjavík aus zwei Stunden. Die Höhle Viðgelmir gehört mit zu den größten der Insel und es gibt dort KEINEN Cache, nichtmal ein Earthcache. Das hat mich schon sehr gewundert, allerdings war weit und breit auch keine Zivilisation zu sehen. Diese Höhle ist im Winter empfehlenswerter als im Sommer. Einerseits ist es in der Höhle dann nicht kälter als draußen, andererseits kann man nur im Winter wunderschöne Stalakmiten betrachten. Man gelangt nur durch offizielle Führungen in die Höhle.

Am letzten Tag wollten wir auch noch eine Wanderung zu einer natürlichen heißen Quelle machen. Vom Parkplatz zum Cache, der einen zu der Badestelle führt, sind es gerade mal drei Kilometer. Wir dachten, dass dies kein Problem darstellen würde, allerdings waren wir nicht auf das Wetter vorbereitet. Es regnete sehr stark, es war sehr windig und dann kam auch noch Glatteis dazu. Für eine Wanderung durch die Berge braucht man in Island im Winter definitiv Steigeisen, die wir leider nicht hatten. Nach einer Stunde sind wir gerade mal 1.5 Kilometer vorangekommen. Wir brachen die Wanderung ab und haben uns in die Hot Tubs in einem Freibad in Reykjavík gelegt.

Und die Nordlichter? Leider haben wir keine gesehen. Um Nordlichter zu sehen, müssen mehrere Faktoren stimmen. Es muss genug Strahlung auf der Erde ankommen und es darf nicht bewölkt sein. Am Tage hatten wir oft gutes Wetter, aber in der Nacht war es leider immer bewölkt.

Fazit

Island im Winter ist definitiv eine Reise wert. Wenn man die passende Kleidung hat, stellt die Kälte absolut kein Problem da. Man reist in ein wahres Winter-Wunderland. Man muss damit rechnen, dass man nicht alle Touren wie geplant durchführen kann und muss flexibel bleiben. Straßen werden gern mal gesperrt und das Wetter ist alles andere als stabil. Ein Eiskratzer gehört zur Cacheausrüstung definitiv dazu. Für viele Earthcaches musste ich die Infoschilder erst einmal freikratzen. Generell darf man Earthcaches gegenüber nicht abgeneigt sein. Wenn man mit Menschen reist, die vom Hobby nicht ganz so angetan sind, stellt Island auch kein Problem da, denn man kann nicht an jeder Ecke halten, um noch schnell eine Dose zu suchen. Es gibt einfach keine.

8 Kommentare zu “Geocaching in Island im Winter

  1. Compubaer

    Ein toller Reisebericht mit interessanten Fotos, der Lust auf eine eigene Entdeckungsreise macht.

    Herzliche Grüße an euch aus Seelow.

  2. Schatzforscher

    Liebe Kathi,

    wir konnten ja bereits einige Gedanken zu unseren Island-Reiseerfahrungen ausgetauscht. Island sieht gemäß den obigen Bilder im Winter definitiv ganz anders als im Spätsommer aus. Wir waren im Spätsommer dort und haben viele identische Orte besucht. Leider waren die Papageientaucher da auch schon weg.

    Ganz besonders beeindruckend waren für uns auch die riesigen Lavafelder, die wir mit unserem Auto durchquerten und die Macht der Vulkane andeuteten. Die riesigen Lavafelder sind im Winter wahrscheinlich durch den Schnee abgedeckt.

    Auch mochten wir die vielen Thermalquellen mit den angeschlossenen Bädern sehr, so dass wir jeden zweiten Tag baden waren.

    Besonders zum Ende unserer Reise hat uns der drohende Schnee- bzw. Wintereinbruch stark verunsichert. Denn wir hatten nur einen simplen Mini-Van ohne 4-Radantrieb.

    Der Beitrag hat mir wunderbar gefallen und Lust auf Island im Winter gemacht.

    Vielen Dank.

    Beste Grüße aus München
    Schatzforscher

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