Cachedichte in deutschen Großstädten

Als ich letztens in Berlin war und einen Cache suchen wollte, hielt ich spontan irgendwo an, wo ich einen Parkplatz gefunden habe und dachte mir, hier wird schon irgendein Cache sein. Aber da war keiner. Zumindest kein Traditional Cache. So kam es, dass ich mich mit der Frage zur Cachedichte in deutschen Großstädten beschäftigt habe.

Wenn man von Cachedichte spricht, können meist zwei Dinge gemeint sein: Anzahl der Caches pro 1000 Einwohner und Anzahl der Caches pro Quadratkilometer. Ein bisschen Recherche im Internet führte mich zu einem etwas älteren Artikel aus dem Jahre 2011: http://www.geocaching-ms.de/2011/10/cachedichte-in-deutschen-grossstaedten/. Dies hat mir allerdings nicht ausgereicht, denn wie sich viele denken können, hat die Anzahl der Caches seit 2011 extrem zugenommen. Außerdem wurden in diesem Artikel die Werte ermittelt, indem ein großer Kreis um die Stadt gezogen wurde und die Caches innerhalb dieses Kreises betrachtet wurden.

Vorbereitung

Ich wollte es nun genauer wissen: Wie viele Caches besitzt denn nun jede deutsche Großstadt? Als Großstadt definiert man eine Stadt, dessen Einwohnerzahl größer als 100.000 ist. Die Internetseite http://project-gc.com konnte mir hier an dieser Stelle weiterhelfen. Auf dieser Seite findet man in der Statistikrubrik die Option „Meiste Caches pro Gebiet“. Das funktioniert aber nur, wenn es sich um eine kreisfreie Stadt handelt, da Project GC dabei nur die deutschen Landkreise berücksichtigt. Für die nicht-kreisfreien Städte musste ich mir also etwas anderes einfallen lassen. Lösung: Das Makro „GetLocations“ für GSAK. Ich habe mir also ein hinreichend großes Gebiet pro Stadt gewählt, in dem alle Caches der Stadt garantiert drin sind und anschließend dieses Makro ausgeführt, welches jedem Cache einen Ort zuordnet. Anschließend konnte ich nach diesem Ort filtern und erhielt alle Caches dieser Stadt. Bei momenten 76 deutschen Großstädten betraf dies 10 Städte.

Welche Stadt hat die meisten Caches?

Absolut gesehen ist sicherlich klar, dass Städte mit viel Fläche und vielen Einwohnern auch die meisten Caches haben. Da ist Berlin mit 4205 Caches an erster Stelle. Hamburg schafft es mit 2796 Caches auf Platz 2, gefolgt von Dresden auf Platz 3 mit 1631 Caches.

Viel interessanter ist jedoch: Wo ist es am „vollsten“? Dafür ist wohl die Anzahl der Caches pro Quadratkilometer eine aussagekräftige Kennzahl. Ganz oben auf der Liste steht dabei Kassel mit 6,13 Caches pro Quadratkilometer, knapp gefolgt von Offenbach am Main und Bochum. Hier wird es für Owner also besonders schwierig sein, neue Orte für schöne Caches zu finden. Schlusslichter in dieser Statistik sind Erfurt, Ludwigshafen am Rhein und Hamm.

Stadt Einwohner Fläche Caches pro 1000 Einw. pro km^2
Kassel 194.087 106,80 655 3,3748 6,1330
Offenbach am Main 119.203 44,90 244 2,0469 5,4343
Bochum 361.734 145,66 775 2,1425 5,3206
Hannover 518.386 204,14 1.074 2,0718 5,2611
Herne 154.417 51,42 269 1,7420 5,2314
Bonn 311.287 141,06 730 2,3451 5,1751
Stuttgart 604.297 207,36 1.042 1,7243 5,0251
Ingolstadt 129.136 133,37 276 2,1373 2,0694
Erfurt 204.880 269,17 451 2,2013 1,6755
Ludwigsh. am Rhein 161.518 77,68 127 0,7863 1,6349
Hamm 176.048 226,43 348 1,9767 1,5369

Wenn man die Caches pro 1000 Einwohner betrachtet, sieht die Statistik ein wenig anders aus. Viele Cacher können auch viele Caches legen. Vielleicht gibt es aber auch Orte, bei denen Owner besonders viele Caches legen oder aber umgekehrt. Viele Caches pro 1000 Einwohner findet man in Wolfsburg. Da kommt man auf 4,5 Caches pro 1000 Einwohner, in Saarbrücken sind es gerundet auch 4,5 Caches, erreicht damit also Platz 2. In Lübeck kommen auch noch knapp 4 Caches auf 1000 Einwohner. Schlusslichter sind hier die Städte Gelsenkirchen, München und Ludwigshafen am Rhein, wobei in letzteren beiden Städten nichtmal 1 Cache auf 1000 Einwohner kommt.

Stadt Einwohner Fläche Caches pro 1000 Einw. pro km^2
Wolfsburg 122.457 204,02 552 4,5077 2,7056
Saarbrücken 177.201 167,07 793 4,4751 4,7465
Lübeck 212.958 214,14 860 4,0384 4,0161
Magdeburg 231.021 201,84 869 3,7616 4,3054
Hagen 185.996 160,35 683 3,6721 4,2594
Jena 107.679 114,29 380 3,5290 3,3249
Gelsenk. 257.850 104,94 307 1,1906 2,9255
München 1.407.836 310,74 1.339 0,9511 4,3091
Ludwigsh. am Rhein 161.518 77,68 127 0,7863 1,6349

Was genau man nun aus solch einer Statistik herausliest, sei nun jedem selbst überlassen. Jede Stadt hat andere Eigenarten. Manchmal gibt es auch Gebiete, die gar nicht bedost werden dürfen und trotzdem zum Stadtgebiet zählen. Dies drückt die Cachedichte natürlich nach unten.

Alle Daten zu dieser Untersuchung können in folgender PDF nachgesehen werden: cachedichte.pdf.  Städte wie Cottbus, Siegen oder Hildesheim haben es leider nicht mehr in die Untersuchung geschafft, da diese mittlerweile unter die Einwohnerzahl von 100.000 gefallen sind.

Wer trägt die Verantwortung?

Aufgrund neuester Ereignisse beginnt nun wieder die Diskussion in den sozialen Netzwerken, wer denn nun eigentlich Schuld hat, wenn sich ein Geocacher verletzt oder sogar stirbt. Zunächst sei gesagt: Ich habe Mitgefühl und sende mein Beileid an die Hinterbliebenen der Opfer, die beim Geocaching zu Tode gekommen sind. Beim aktuellen Fall geht es darum: http://www.bild.de/regional/hannover/unfaelle-mit-todesfolge/geocashing-spiel-endet-toedlich-in-graft-34505130.bild.html. Ein 51-jähriger Geocacher wurde tot von einem anderen 51-jährigen Geocacher in der Graft in Hannover gefunden. Es handelt sich dabei um folgenden Cache: http://coord.info/GC1D9D1. Manche würden jetzt schreiben, es sei ja „nur“ ein T3,5. Man darf sich aber nicht zu sehr von den Terrainwertungen blenden lassen. Ein T5 ist häufig sicherer als ein T4, da ein T5 mit entsprechender Sicherung angegangen wird. Dieser Unfall ist schlimm und erinnert die Dresdner Community sicher an den damaligen Fall von willimax: http://www.sz-online.de/sachsen/schatz-nummer-4900-brachte-den-tod-938093.html. Aber wer trägt nun die Schuld an solchen Unfällen? „Jeder ist für sich selbst verantwortlich.“ So heißt es häufig in den Cachebeschreibungen. Jeder kann sicher auch für sich entscheiden, ob man einen Cache angeht oder nicht. Weshalb aber trotz offensichtlicher Gefahr Caches angegangen werden, hat min. 3 Gründe:

  1. Der Owner hat den Cache ja dort versteckt, also kann es ja dort nicht soooo gefährlich sein (ironischer Unterton).
  2. Das Bedürfnis, alle Caches in einer Umgebung zu finden, schaltet bei manchen Cachern den Kopf für Gefahren aus. Der Cache _muss_ einfach gemacht werden.
  3. Gegenseitiges Prahlen in sozialen Netzwerken, was man doch alles schon geschafft hätte.

Die Vernunft ist nicht in allen Köpfen der Cacher vorhanden, daher sollten auch Owner darauf achten, keine gefährlichen Caches zu legen und immer ganz genau auf die Gefahren hinzuweisen, sollten doch welche bestehen. Auch gibt es Gründe, wenn Verbotsschilder irgendwo aufgestellt werden. Es kann dann doch mal Lebensgefahr herrschen. Geocaching ist längst nicht mehr das „familienfreundliche GPS-Spiel“, das es einmal sein sollte. Es ist teilweise ein Extremsport geworden, und das sollte man dabei immer im Hinterkopf behalten.

Die Owner der Caches, bei denen Mitspielern etwas passiert ist, tun mir natürlich auch leid. Wie soll man mit so etwas umgehen. Ist man nun Schuld daran, dass am eigenen Cache jemand gestorben ist, weil man ihn da hingelockt hat?

Eine ganz andere Ebene ist die des Übernatürlichen. Ich glaube nicht an sowas, aber manchmal ist es auch einfach Schicksal, und weder Owner noch Cacher kann etwas für einen Unfall. Ein Blitz kann einschlagen, ein Erdrutsch vorkommen oder andere Dinge. Ein Tod ist immer schlimm, manchmal hängt dieser aber nicht im direkten Zusammenhang mit dem Geocaching. So lassen es aber manche Zeitungen immer vermuten. Wenn ein Baum auf mich rauffällt, ist es wohl egal, ob ich dabei geocachen war oder ich den Hund ausgeführt habe.