Gastbeitrag: München – Venedig // Traumpfad bleibt Traumpfad und Dampfbad bleibt Dampfbad

Meine Freundin martl hat im Sommer die lange Wanderung von München nach Venedig auf sich genommen. Da es dazu nicht nur einen Cache gibt, sondern auch viele andere interessante Dinge auf so einer Wanderung passieren, bat ich sie, von ihrer Reise zu berichten. Gesagt, getan. Hier kommt der Gastbeitrag von martl zum Thema „München – Venedig“.

 

„Meine Wanderung von München nach Venedig war eine echte Schnapsidee. Bei einer Berolina (Berliner Geocaching-Stammtisch) stellte ich fest, dass zwei befreundete Geocacher tatsächlich diesen Weg gegangen sind. Wie krass! Ich, als echtes Münchner Kindl, war sofort Feuer und Flamme und wollte alles darüber wissen, aber die wichtigste Frage war: Kann ich das schaffen? Auch alleine?

Als mir ein klares Ja entgegen schallte, war mein Entschluss gefasst. So plante ich nicht zuviel, buchte den Flug nach München, die erste Unterkunft im Kloster Schäftlarn, und fragte Hinz & Kunz, ob sie mich begleiten wollten. Es gab von vielen Seiten Interesse und damit oft auch sehr nette Begleitung.

Alles nur wegen eines doofen Multis? Natürlich nicht, davor entschied ich schon, der Geocache ist nicht so wichtig wie der Weg. Wenn ich also wählen müsste, würde ich mich für den Weg entscheiden. Wie schnell das allerdings wirklich passieren sollte, hätte ich im Traum nicht gedacht!

In München ging es passend zum CSD 2017 los. Meine Schwester begleitete mich die ersten beiden Tage bis nach Bad Tölz an der Isar entlang. Am ersten Tag und die ersten 20 Kilometer nach Kloster Schäftlarn lief auch noch ein Kumpel mit, seines Zeichens eher Gelegenheitscacher. Prompt verpassten wir die erste Station, zurücklaufen ist nicht, so musste ein Plan B her… er kümmerte sich darum, vielen Dank!

Nichtsdestotrotz war es ein super Start bei Kaiserwetter. Da ich ja mit 20 Regentagen rechnete, war ich auf alles eingestellt, nur nicht auf soviel Sonne. Am Ende der Tour hatte ich mir zweimal Sonnencreme nachkaufen müssen, 150 ml habe ich wohl insgesamt verbraucht und unterwegs ein halbes Vermögen dafür ausgegeben. Aber was tut man nicht alles!

Ab Bad Tölz/Brauneck lernte ich dann die ersten anderen Venedig-Wanderer kennen und wir wanderten ab dann mehr oder weniger gemeinschaftlich von den Voralpen ins alpine Gebirge und durch die Dolomiten. Ich zeigte ihnen Geocaching und erklärte den Multi, wen(n) es interessierte.

Dann schlug das Wetter um und wir hatten mit sehr vielen Nachmittagsgewittern zu rechnen. Seit dieser Tour bin ich auch etwas feinfühliger geworden, was Gewitter und Blitze angeht. Man merkt die Naturgewalten am eigenen Leib im Gebirge doch viel stärker und ist dem schnell ohne Schutz auf dem Berg ausgesetzt.

Hier war praktisch, die alte Pi-Mal-Daumen-Bauernregel zur Berechnung der Entfernung des Gewitters zu kennen. Die Zeit zwischen Blitz und Donner, pro Sekunde Abstand gleich drei Kilometer. Daher konnte ich auch zwei Touren nicht so laufen wie geplant, die Hüttenwirte hatten davon abgeraten bei dem (schwülen) unbeständigen Wetter über den Pass zu laufen, so folgte ich ihren Anweisungen und blieb lieber auf der sicheren Seite.

Überhaupt waren die Hütten meiner Meinung nach das Tollste an der Tour, (fast immer) super Essen, klasse Bewirtung (meistens), lustige Leute (in der Mehrheit) usw. usf. Natürlich gab es auch Nachteile, nur so ein kuscheliges Lager nach der anstrengenden Tour und eine (oft warme) Dusche bewirkt da schon viele Wunder an sich.

So wurde unsere München-Venedig-Gruppe eine immer engere Gemeinschaft, wir gründeten Whatsapp-Gruppen und tauschten uns regelmäßig über den Stand unserer Wanderungen aus. Da wir nicht im gleichen Tempo liefen, konnte man darüber ganz gute Tipps für die zukünftige Strecke bekommen bzw. den Nachzüglern Tipps weitergeben.

Meine größte Sorge war, ob denn wirklich mein Klettersteig-Paket an die italienische Hütte rechtzeitig und vollständig ankommt, aber das war überhaupt kein Ding. So konnte ich relativ entspannt (eigentlich nicht, ich konnte nicht mal lächeln auf den Fotos 😉 ) diesen schwierigsten Part der Strecke mit einem (mittlerweile) guten Freund meistern, der ebenfalls alleine losgegangen war.

Es war die beste Erfahrung, die ich mir vorstellen kann. Der Weg hat meine Erwartungen bei Weitem übertroffen. Meiner Meinung nach gibt es nichts Schöneres, als auf einen Grat am Berg zuzulaufen, sich vorzustellen, wie es dahinter aussieht, und dann die Realität zu sehen, und zu verstehen, dass es in Wirklichkeit noch tausendmal schöner ist, als man es sich je hätte vorstellen können.

Wer noch mehr darüber wissen möchte, die liebe Marlis vom Ladys Talk Podcast hat mich auch zu dem Thema interviewt:

https://ladystalk.live/2017/11/09/ladystalk-32-muenchen-venedig/

PS: Achja, circa in der Mitte des Weges habe ich dann entschieden, den Geocache “fallen” zu lassen, mir fehlten zu viele Stationen, außerdem war der Weg an sich schon so anspruchsvoll (will heißen, relativ schlecht markiert und relativ anstrengend), so dass ich nicht wirklich auch noch Zeit hatte, ständig zu kucken, wann denn jetzt die Station kommt. Trotz allem war es für mich aber der “Aufhänger”, um überhaupt diesen Weg zu erfahren, insofern bin ich ihm sehr dankbar!!! Schöne Grüße an den hilfsbereiten Owner DerPate, da geht noch was bzw. läuft 😉


PPS: Noch etwas zum Titel: Unterwegs habe ich einen Holländer getroffen, der immer versucht hat, Traumpfad auszusprechen, es klang aber eher wie Dampfbad. Also habe ich ihm versucht, mit Hilfe dieses Zungenbrechers den Unterschied zu erklären. Keine Ahnung ob es gefruchtet hat, das müsste ihr ihn schon selbst fragen…“