Ingress: GPS-Spiel mit Suchtpotenzial

Obwohl sich dieses Weblog mit dem Thema Geocaching beschäftigt, begebe ich mich heute einmal auf eine kleine Exkursion zum Spiel Ingress. Ihr werdet feststellen, dass es einige Parallelen und Überschneidungen gibt.

Bei Ingress handelt es sich um ein sogenanntes „Augmented-Reality-Spiel“, also ein Spiel, das die Realität um gewisse Dinge erweitert. Das Spiel Ingress ist seit November 2012 als Betaversion erhältlich. Im Dezember 2013 wurde die Beta-Phase beendet und jeder, der ein Android-Smartphone besitzt, kann sich dieses Spiel im Playstore herunterladen. Es sind aber Erweiterungen auf andere Geräte geplant.

Eine kleine Einführung in das Spiel bietet dieses Video:

Am Anfang des Spiels muss man sich für eine Seite entscheiden: entweder spielt man für die Erleuchteten (grün, „Frösche“) oder für den Widerstand (blau, „Schlümpfe“). Dann kann es auch schon losgehen. Man aktiviert seinen GPS-Empfänger und sucht nach nahe gelegenen Portalen. Welches Team gerade das Portal in seinem Besitz hat, erkennt man an den Farben. Weiße Portale sind neutral und können via Resonatoren eingenommen werden. Alles, was man in dem Spiel benötigt, bekommt man durch das Hacken. Sobald Portale in den eigenen Aktionsradius gelangen, kann man diese hacken. Dabei spielt es keine Rolle, zu welchem Team das Portal in dem Moment gehört.

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Mittels Resonatoren kann man andere Portale besetzen und via Burster diese von gegnerischen Portalen zerstören. Um all diese Aktionen auszuführen, benötigt man die spezielle Materie, um die es in der Handlung des Spiels geht (XM). Für gewisse Aktionen erhält man AP, mit Hilfe derer man in seinen Levels aufsteigen kann. Je weiter man in seinem Level ist, desto bessere Gegenstände können eingesetzt werden. Auch vergrößert sich sein eigener Aktionsradius. Des Weiteren kann man noch Links von Portal zu Portal setzen und damit dann später auch große Felder erschaffen. Durch diese Felder können dann keine anderen Links gesetzt werden und der Gegner wird auf eine gewisse Weise blockiert.

Ich möchte hier aber nicht zu sehr ins Detail gehen, sondern nur etwas neugierig auf das Spiel machen. Viel mehr interessieren mich die Parallelen zum Geocaching:

  1. Man kommt an die frische Luft.
  2. Man lernt andere Ingressgamer kennen und es entwickelt sich eine Community.
  3. Man kommt an interessante Orte, die teilweise auch eine Beschreibung erhalten.
  4. Man benötigt GPS.

Es ist also nicht verwunderlich, dass es immer mehr Geocacher gibt, die auch Ingress spielen. Was halt fehlt, sind die Logbücher. Auch muss man seinen Besuch später nicht am PC dokumentieren. Für faule Cacher ist das vielleicht eine interessante Alternative. Statistiken kommen nicht zu kurz. Diese sind in seinem Profil erhalten und man kann sogar Medaillen erhalten (virtuell natürlich).

Ich habe einmal gefragt, was die Ingressgamer so an dem Spiel beeindruckt und dabei folgende Antworten erhalten:

„- Mitspieler treffen und zwar in Real 🙂
– Nicht immer nur Zuhause rumsitzen
– Das man alleine nur den Abriss mach kann, man aber zum Aufbau hoher Portale mehr Leute braucht. Deswegen müssen wir uns zusammenschließen und organisieren.“

„Das Gute an dem Spiel ist, dass es ein Teamsport ist, wo man seine sozialen Kontakte erweitert und man sich vom kleinen Agenten zum Projektleiter arbeiten kann, ohne dass einem etwas im Weg steht. Ob man der fleißige Fußsoldat im Field ist, der Betreuer der Neulinge, derjenige, der Kontakte schafft oder der OP am Rechner, jeder findet seinen Platz, der ihm liegt. Das Spiel ist vielseitig und das nur mit dem Anreiz der anderen Fraktion das Leben schwer zu machen. Natürlich ist es nicht gerade gut für die Umwelt 370km mit dem Auto zu fahren, bloß um ein digitales Portal zu erobern und dann ein Feld zu bauen aber das Ergebnis, dass man ein Feld mit einem Team, welches sich kaum kennt, aber über das Handy verbunden ist, erschaffen hat und somit das andere Team auffordert, an einen der Eckpunkte zu fahren, sonst bleibt die Farbe so, das hat was. Man duelliert sich nicht mit Waffen, sondern mit digitalen Items, keiner kommt zu Schaden, außer er übersieht die Säule und rennt dagegen. Sogar Autofahrer hupen einen als Fußgänger an, wenn man nicht über die grüne Ampel läuft. Besonders dass es Anreize zur Bewegung schafft, fasziniert mich. Nach der Arbeit wollte man immer seine Ruhe und das Bier auf der Couch. Jetzt geht man geplante 2 Stunden spazieren oder Rad fahren und kehrt nach 6 Stunden erst wieder heim, weil die andere Fraktion das gesetzte Ziel wieder kaputt gemacht hat oder die Mitstreiter um Hilfe an einem anderen Punkt gebeten haben. Es ist ein Spiel, wo man anderen Mitspielern helfen kann und man dafür auch Hilfe bekommt. Ich empfehle zwar, dass man  es bis Level 8 es selber versuchen sollte, aber sich dennoch Tipps und Tricks von Erfahrenen anhören muss, um das Spiel besser zu verstehen. Was man in der Kindheit verschläft, lernt sich schwieriger im höheren Alter. Das Prinzip gilt auch hier. Wenn man ganz weit hinaus will, kann man nur durch dieses Thema weltweite Kontakte knüpfen. Grenzen von Ländern gibt es in dem Spiel nicht, entweder man ist grün oder blau, aber Nationalitäten zählen hier nicht und das finde ich halt klasse. Nur die Roaminggebühren, wenn man das nationale Netzt verlässt, kann man als Hindernis bezeichnen. Es ist egal, woher man kommt, man verfolgt das gleiche Ziel und daher überschreitet es Hindernisse und Vorurteile. Schaffe dir einen gemeinsamen Feind oder ein Ziel, dann halten alle zusammen. Es sei noch gesagt, dass das Spiel bis Level 8 einen hohen Suchtfaktor mit sich bringen kann und man so einiges im Leben schleifen lässt, aber da muss man etwas Selbstdisziplin an den Tag legen oder besser gleich Urlaub von allem nehmen. Ab Level acht fängt die zweite Seite des Spieles an, ausbilden der Neulinge, Kontakte zu anderen Städten oder Ländern schaffen, damit man Projekte realisieren kann. Man kommuniziert mit Menschen, welche in der Bahn neben einem sitzen könnten, aber man sie nicht anspricht. Ein kleiner Post im Spielchat und schon lernt man mindestens 3 Leute kennen. Man trifft sich, spricht miteinander, dass die andere Fraktion nervt und was man so für Items hat, dann geht man zu einem Portal und ärgert sich, dass der Neuling bessere Mods bekommen hat als man selber. 🙂 man gibt ihm ein paar Tipps hinterher und verabschiedet sich mit den Worten, dass man ja mal eine Runde drehen könnte, wenn man Lust hat. Daraus entstehen dann gemeinsame Abende bis dahin,  dass man ein Bierchen trinkt oder man gegenseitig die Familie, Kinder, Freundin vorstellt. Ein paar Spieler haben mir sogar beim Umzug geholfen, nur weil ich gemeint habe, dass in Leipzig alles blau ist und die unique hacks denen noch fehlen. 🙂 Es ist ein Sammelpool sozialer Kontakte, wenn man es richtig anstellt. Natürlich kann es auch dazu führen, dass man den Gegner trifft und mit ihm solch eine gut Beziehung pflegt, aber im Spiel ärgert man den anderen dann wieder so gut es geht.

P.S. bitte im Straßenverkehr auch mal die Augen nach oben richten da man als Fußgänger nicht soviel Knautschzone hat. Beim Autofahren gilt natürlich die auch das man das Handy nur im Stillstand benutzen sollte. Es ist nur ein Spiel und das reale Leben kann man nicht einfach mit einem Resonator wieder aufbauen.“

Dies war natürlich ein sehr ausführliches Statement. Ich habe es trotzdem mal mit reingenommen, da man auch an diesem Beispiel sehr gut Gemeinsamkeiten zum Geocaching erkennt. Die Verhaltensstrukturen sind ähnlich.

Im Podcache-Jahresrückblick wurde ich erst noch gefragt, was ich von Ingress halte und ich beantwortete es damit, dass es mir zu virtuell sei. Dabei hatte ich es noch gar nicht probiert. Es ist halt einfach anders als Geocaching, auch wenn ich hier einige Gemeinsamkeiten aufgezeigt habe. Es hat viele Elemente eines Computerspiels (ich habe früher viel am PC gespielt), nur wird man hier auch einmal dazu gezwungen, rauszugehen, um weiterzukommen. Wenn nämlich keine XPs oder Portale zum Hacken in der Nähe sind, geht nichts mehr, man muss sich einfach bewegen.

Ihr könnt dieses Spiel also gern mal ausprobieren, aber seid gewarnt vor der Sucht, die dadurch schnell entstehen kann.

0 thoughts on “Ingress: GPS-Spiel mit Suchtpotenzial

  1. Hi!

    Schön geschrieben, aber mir dennoch von der Idee her einfach deutlich zu eintönig. Portale ein- bzw. umfärben… Naja, bin doch kein Maler 😉 Da bleibe ich eindeutig viel lieber beim Geocachen, das bietet zumindest MIR deutlich mehr Anreiz und zumindest wenn ich auf der FTF-Jagd bin bzw. auf Events gehe, treffe ich auch regelmäßig andere. Kann aber eben auch problemlos alleine losziehen, wenn ich das möchte. Ist mir deutlich lieber so 🙂

    Servus,
    Christian

    • Hallo Christian,

      so mag es langweilig klingen („nur“ Portale umfärben). Jedoch gibt es in dem Spiel Möglichkeiten für den Einzelspieler und für Teamspieler – als Einzelspieler hat man dann nur erheblich mehr Schwierigkeiten bestimmte Ziele zu erreichen.

      Bei Ingress gibt es Spielinterne Events die weltweit bzw. auch regional seitens Niantic Labs veranstaltet werden (letztens z.B. mussten durch geschicktes einnehmen von Portalen, lange genug das Portal halten und auch rechtzeitig mit einem anderen Portal verlinken so genannte Shards übertragen werden – von Asien/Europa bis in die USA).

      Zudem erstellen die (regionalen) Gemeinschaften auch selber Events – wobei regional verschieden differenziert werden kann auf eine Stadt, einen Landkreis oder gar ein bzw. mehrere Bundesländer.

      Dort ist dann vor allem Teamgeist gefragt und einen bzw. mehrere OPs (Operatoren) zu haben die das ganze leiten. So konnten wir mit ~ 50 Spielern aus dem Raum Mitteldeutschland zwei riesige Felder bauen, auch durch stark „umkämpftes“ Gebiet.

      • Hi Befagor,

        tja, und da geht das Problem schon los. Ich habe keinerlei Lust, mich mit so einem Haufen Leuten zeitlich abstimmen zu müssen. Und das alles „nur“, um dann irgendwo mit einem Schwung anderer irgendwo herumzustehen und wild auf dem Handy herumzuklicken 😉 Lieber ziehe ich zu beliebigen Zeiten los und gehe wohin ich will. Und sehe dabei auch oft genug sehr interessante Orte. Nicht zuletzt auch mehr als genug, wo ich z.B. auch keinerlei Handyempfang habe bzw. hatte.

        Da mach ich mich lieber mal ordentlich dreckig und mache einen tollen Cache, bei dem ich auch mal körperlich gefordert werde. Und da reicht es mir dann schon, wenn meine Zeit es mir erlaubt, mich mit maximal einer Handvoll Freunden zu treffen. Ok, von Events natürlich mal abgesehen, da sind „natürlich“ deutlich mehr Leute, aber auch da ist am Ende der Kreis der Leute, die ich dort treffen will, maximal an 2 Händen abzuzählen. Um auf noch mehr Leute näher einzugehen, fehlen mir Zeit und Lust…

        Mir ist dieses Spiel einfach deutlich zu virtuell angelegt, das gibt mir einfach nix. Aber bitte, wem es Spaß macht 😉 Versteh mich nicht falsch, es ist eben einfach nur nicht MEINE Version von interessanter Freizeitgestaltung.

        Beim Geocachen habe ich aus meiner Sicht einfach deutlich mehr Erfolgserlebnisse und Varianz. Wenn ich einen bestimmten Cache gefunden habe, dann ist der damit eben auch abgehakt und ich komme dort höchstens dann noch einmal hin, wenn er so gut war, daß ich ihn auch noch einmal Freunden zeigen möchte. Aber jetzt irgendwo ein virtuelles Portal immer wieder auf’s Neue einfärben zu dürfen, das würde mir spätestens beim dritten Versuch so was von auf die Nerven gehen, das kannst Dir gar nicht vorstellen 🙂

        So, ich denke, ich habe mich zu dem Thema jetzt mal ausführlich genug geäußert und meinen Standpunkt klar gemacht.

        Dir wünsche ich aber selbstverständlich noch sehr viel Spaß beim Ingress-Spielen. Wäre ja auch doof, hätten alle dasselbe Hobby…

        Servus,
        Christian

  2. Hallo zusammen 🙂
    Na das ist doch hübsch zusammengefasst.

    Geocachen und Ingress verbindet bis auf die Tatsache das sie an der frischen Luft stattfinden und location-based sind genau gar nichts. Und das ist auch nicht schlimm, die funktionieren prima nebeneinander, an vielen Portalen liegt eine Plastedose ohne das Zwei Leute die es zu diesem Ort zieht voneinander wissen.

    Wie Befagor schon richtig schreibt: Es ist ein bischen mehr als nur Smartfone drückern, genauso wie Cachen mehr als im Dreck kriechen ist. Ich zum Beispiel bin durch Ingress schon deutlich mehr Kilometer gelaufen als beim Cachen. Ich verfolge auch noch beide Hobbies, denn beides hat für mich seinen Charme. Ein Vorteil von Ingress ist für mich zum Beispiel das es nicht Location-Verbrauchend ist wie Geocaching. Durch Ingress komm ich immer wieder an den selben Ort, beim Cachen genau einmal. Und ich kann es zwischendurch machen, täglich, bei jeder Gelegenheit. Auch das geht beim Cachen (mittlerweile) nicht mehr.

    In diesem Sinne viel Spaß in der blaugrünen Welt.

    RESIST ! 🙂

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